Cup der Überraschungen
Eigentlich war für viele Zuschauer schon alles klar. Titelverteidiger FC Bayern holt erneut den Otterfinger Challenge-Cup 2011. Man sollte jedoch nie die Rechnung ohne den Wirt machen. Was soviel heißt, am Ende wurden Titel und Podestplätze an andere Teams vergeben.
In der Vorrunde hatten die Münchner Bayern die Berliner Hertha noch mit 2:1 bezwungen. Doch im kleinen Finale um den dritten Platz ging dem FCB buchstäblich die Puste aus. Mit 0:5 gingen sie regelrecht unter. „Die wollten nicht mehr, sonst würden sie nie eine solche Packung bekommen“, mutmaßte ein fußballkundiger Zuschauer. Thomas Kölbl, 2. Jugendleiter des gastgebenden TSV Otterfing, widersprach postwendend: „Die Hertha war einfach zwingender und zeigte vorbildliches Pressing.“
Herta BSC mit Superstürmer gegen Bayern
Darüber hinaus hatten die Berliner einen echten Goalgetter in ihren Reihen, der auch körperlich seinen Gegenspielern deutlich überlegen war: Nikos Zografakis zog ein ums andere Mal davon und schoss alleine vier Tore. Bereits nach einer Viertelstunde stand es 4:0 für Berlin, die Bayern waren bis dahin eher selten über die Mittellinie gekommen. Und wenn sie es schafften, dann stand meistens einer der Spieler im Abseits. Zwei sehr gute Chancen konnten darüber hinaus nicht verwertet werden. Deutlich sichtbar war bei den Berlinern die Handschrift des erfolgreichen Trainers und früheren Bundesligaspielers Pal Dardei. Die Berliner traten körperlich sehr robust auf, hielten sich im kleinen Finale aber auch an die taktischen Vorgaben und ließen sich vom großen Namen des Gegners nicht beeindrucken. Dardeis Sohn, der ebenfalls Pal mit Vornamen heißt, stieg in die Fußspuren des Vaters und steuerte den letzten Treffer dieser Partie bei.
Ringo Taube FC Bayern Cotrainer bringt es nach dem Schlusspfiff auf den Punkt. „Über das Abschneiden unseres Teams sind wir frustriert. Damit war nicht zu rechnen. Ansonsten zeigte das Team eine solide Leistung, aber das letzte Spiel mit fünf Gegentoren hat den Eindruck kaputt gemacht. Das ist alles andere als die von uns erwartet Leistung.
Goldener Jahrgang fährt Cupsieg für Eintracht Frankfurt ein
Wesentlich knapper ging es dann im Finale zu, wenngleich auch hier über weite Strecken eine Mannschaft dominierte – die der Frankfurter Eintracht, die sich am Ende mit 2.1 durchsetzte. Auch Frankfurt hatte zwei körperlich deutlich überlegene Spieler in seinen Reihen. Bei manchem Zuschauer sorgte das für Unmut – für Otterfings Trainer Thomas Kölbl aber ist dies kein Grund zur Beanstandung: „Warum sollten die Mannschaften solche Spieler nicht einsetzten, so lange sie Jahrgang 1998 sind?“ Das sei legitim.
Trend im Juiorenfußball
Was Sportali zu dem Resümee kommen lässt: Powerfußball mit körperlicher Überlegenheit setzt sich wieder einmal in Juniorenbereich durch. Interessant wird nur sein, wie sich diese Spieler in ein paar Jahren im hart umkämpften Fußballgeschäft behaupten können?
Mani Schwabl, ehemaliger Nationalspieler, sieht diesen Trend eher skeptisch. Ich war in der Jugend selbst immer einer der Kleinsten und wurde um Längen überragt. Nur habe ich mich dann gewundert, wo die sogenannten "Großen" abgeblieben sind? Ich habe sie jedenfalls nicht mehr gesehen.“
Powerexpress Eintracht Frankfurt in Oberbayern
Kommen wir zurück zum Otterfinger Cup-Finale. Die Spieler von Rapid Wien gaben zwar alles. Am Ende konnten sie der körperlichen und spielerischen Dominanz der Frankfurter aber nicht genügend entgegensetzen. Diese beherzigten eine Binsenweisheit, die seit einiger Zeit auch die Profis des aktuellen Bundesliga-Tabellenführers Bayern München wieder auf den Erfolgsweg geführt hat: Erfolgreich ist man nur, wenn die Abwehr gut steht. Bis zum Finale schafften es die Frankfurter, ihren Kasten komplett rein zu halten. Und dies, obwohl sich der Stammtorhüter beim Aufwärmen verletzt hatte und durch eine eher schmächtige Nummer Zwei vertreten lassen musste, der seine Aufgabe aber bestens erledigte. Eine Minute vor Spielende schlug dann doch noch ein Ball hoch oben und damit unerreichbar für den Keeper im Frankfurter Netz ein. Doch es war zu spät für die Schlussoffensive der Österreicher – Frankfurt rettete das Ergebnis souverän über die Zeit. Ein Interview mit den sympatischen Frankfurtern folgt demnächst hier auf Sportali.
Unterm Strich setzten sich in Otterfing die gesetzten Mannschaften durch, wenn man von dem enttäuschenden Abschneiden der Bayern absieht. Einzig die Jungs vom FC Zürich konnten die in sie gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllen. Nach einem 1:0 über die Spielvereinigung Unterhaching sicherten sie sich immerhin noch den elften Platz. FC Zürich, der ansonsten eine vorbildliche Jungenarbeit mit Fußballakademie zu Hause betreibt (eigener Bericht folgt). Analysen und weitere Diashows kommen demnächst hier auf Sportali.com
Tristan Bacher, Organisationsleiter seit zehn Jahren, ist mit seinem unermütlichen Team der Garant für den Erfolg des Otterfinger Challenge-Cups (li.). Der Bürgermeister Jakob Eglseder von der Gemeinde Otterfing, selbst ein großer Sportfreund, überreichte Tristan Bacher für seine Verdienste um den Cup einen Ehrenpokal.
Otterfinger Challenge-Cup
Sieger |
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| EndergebnisSG Eintracht Frankfurt
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2. | SK Rapid Wien | ||
3. | Herta BSC Berlin | ||
4. | FC Bayern München | ||
5. | FC Augsburg | ||
6. | Karlsruher SC | ||
7. | TSV 1860 München | ||
8. | SK Sturm Graz | ||
9. | SV Stuttgarter Kickers | ||
10. | FK Austria Wien | ||
11. | FC Zürich | ||
12. | SpVgg Unterhaching | ||
13. | SV Werder Bremen | ||
14. | TSV 1860 Rosenheim | ||
15. | 1. FC Nürnberg | ||
16. | JFG Hofoldinger Forst | ||
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Otterfinger Cup 2011
Für diese tolle Berichterstattung herzlichen Dank. Wir waren dabei und können nur sagen: Genau so war es. Das Thema mit den großen Spielern wird immer bleiben, da die Kinder unterschiedliche Entwicklungen durchmachen. Es scheint aber Vereine zu geben, die eben genau nur solche Kinder nehmen. Darüber sollte man mal nachdenken. Erfolg um jeden Preis und das schon im Jugendbereich.
Otterfinger Challenge Cup
Kleine Berichtigung des Artikels über den Turniersieger. Der Kader der Eintracht Frankfurt besteht ausschliesslich aus Spielern des Jahrganges 1999.