Zwei Ausbildungsvereine treffen aufeinander
Die Enttäuschung ist den Spielern von 1860 München von den Gesichtern abzulesen. „Wir hätten unsere Chancen einfach besser nutzen müssen“, sagt Kapitän Thomas Keller direkt nach dem Ende des Spiels gegen Rapid Wien. Ziemlich bedrapst sitzen seine Mitspieler da auf der Tribüne um ihn herum. Es ist kurz nach zehn Uhr am Sonntagmorgen und Sechzig hat nach dem 0:2 gegen den Erzrivalen Bayern München nun auch gegen die österreichische Mannschaft eine bittere Niederlage kassiert.
Die Wiener hatten das 1:0 eiskalt über die Zeit gerettet und dem Ansturm der Münchner standgehalten. „Jetzt haben wir keine Chance mehr auf den Turniersieg“, stellt Keller nüchtern mit fester Stimme fest. "Wir haben einfach zu viele individuelle Fehler gemacht." Die restlichen Spiele des Tages wollen die Kicker nun aber auf alle Fälle gewinnen – da geht es schließlich auch um die Ehre. Als nächstes geht es gegen die Augsburger. Das Team kennen die Junglöwen schon – die sind zu packen. Und weil die Turniersaison erst gerade so richtig losgegangen ist, bleibt auch in den nächsten Wochen und Monaten noch genügend Zeit, um diese Scharte auszuwetzen.
Siegen ist nicht unser Haupziel
Naturgemäß ist die Stimmung auf der anderen Seite deutlich besser. „Wir haben unsere Linie gut durchgezogen“, freut sich Rapid-Trainer Oliver Oberhammer. Das 1:0 über 1860 München will er noch nicht als Vorentscheidung bewerten. Aber es sei ein wirklich sehr gutes Spiel gewesen, so Oberhammer, der seinem Team durchaus einen Platz unter de ersten vier Mannschaften zutraut. Es war der Zweikampf zweier bereits recht versierter Ausbildungsteams, die ihre taktischen Konzepte weitgehend umsetzten. Bei Wien war die Ansage klar: 4-2-3-1-System. Sichere, flache Pässe spielen, Tempowechsel und im entscheidenden Moment der Steilpass. „Meine Spieler haben das gut umgesetzt“, lobt der Trainer. Etwas Glück gehörte freilich dazu, denn der Druck der Sechziger nahm mit zunehmender Spielzeit deutlich zu. Doch einige fast hundertprozentige Chancen blieben ungenutzt, einige Male strich das Leder knapp am Tor vorbei, andere Male retteten die Wiener Verteidiger buchtstäblich in letzter Minute.
„Eigentlich wäre ein Unentschieden gerecht gewesen“, räumt Oberhammer fair ein.
Ausbildung steht stets im Fordergrund
Wichtiger als ein Turniersieg ist dem österreichischen Trainer die Möglichkeit, bei Turnieren wie jenem in Otterfing Erfahrungen zu sammeln und sich mit gleichwertigen oder sogar besseren Teams messen zu können. Favoriten sind für ihn die taktisch sehr guten Bayern und die körperlich sehr robust auftretenden Berliner.
Stefan Salger
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